Ölboykott Saudi Arabiens

Nachdem ich die Nachrichten zu den Enthauptungen in Saudi-Arabien gehört habe fragen ich mich ob wir durch unsere Erdölautos und Ölheizungen eine Mitschuld daran tragen. Durch unsere Öleinkäufe finanzieren wir diesen Machtapparat der diese Gräueltaten verübt hat. Deshalb bin ich wie Hans-Josef Fell und Franz Alt der Meinung wir sollten die Ölmultis boykottieren, keine Verbrennungsautos mehr fahren und auf sparsame Elektroautos mit Ökostrom umsteigen. Auch von den Ölheizungen sollten wir uns trennen. Es gibt schon sehr viele Alternativen, die mit regenerativen Energien unsere Wohnhäuser heizen können.

4 Gedanken zu „Ölboykott Saudi Arabiens

  1. Rainer

    Nun in der „ersten Aufregung“ wird immer „drastisches“ gefordert.

    Nun ist Saudi Arabien zum einen nicht der einzige Staat, der nach islamischem Recht – zusammenfassend „Sharia“ genannt – neben anderen Körperstrafen – Leibesstrafen (corporal punishment) auch die ultimative „Körperstrafe“, die Todesstrafe praktiziert. Andere staatliche Rechtsordnungen sehen ebenfalls die Todesstrafe vor und exekutieren jedes Jahr nicht gerade wenige der dazu verurteilte Delinquenten.

    Würden „wir“ in D, das selbst erst im Jahr 2000 durch eine Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) Körperstrafen ersatzlos abgeschafft hat, alle „übriggebliebenen“ Staaten entsprechend boykottieren, würden nur wenige Quellen für z.B. die nach wie vor „notwendige“ Versorgung mit fossilen „Brennstoffen“ übrigbleiben.

    Jeder der wissen will, welche Staaten noch die Exekution durchführen kann das hier :
    https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe
    nachlesen.

    Würde man diesen Boykottaufrufen folgen, wäre es nur folgerichtig, auch jeglichen Handel z.B. mit der „Volksrepublik China“, aber auch mit Japan, und nicht zu vergessen, mit der USA zu boykottieren. Diese „Liste“ ist keineswegs vollständig.

    Da wir wenigsten z.Z. „noch“ zu ~1/3 von Gas aus der „Russischen Föderation“ abhängen, ist es zweifach erfreulich, das diese die Todesstrafe bereits am 20.11.2009 endgültig durch ein Verfassungsgerichtsurteil abgeschafft hat.

    Ich persönlich bin für die Trennung von beiden Anliegen.

    Es macht wenig Sinn, diese zu vermischen. Man kann problemlos beides verändern wollen und sich dafür auch sachgerecht einsetzen. Alles andere halte ich für populistisch eingefärbten Zeitgeist.

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    1. Bucher Artikelautor

      Hallo Rainer, danke für Deinen ausführlichen Text. Ich habe mir mal bei Wikipedia das Thema Todesstrafe durchgelesen. Fast bei jedem Straftatbestand steht das Land Saudi-Arabien. Besonders bei Hexerei musste ich schmunzeln 🙂 Sollen wir bei diesen Ländern diese Gräueltaten einfach akzeptieren? Welche Sanktionen würdest Du vorschlagen?

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  2. Rainer

    Hallo Tobias, (das wurde mal wieder etwas länger !)

    Sanktionen sind eine „gemeine Falle“. Zum einen wirken sie in den allermeisten Fällen in beide Richtungen. Das mag ja je nach Schwere dessen warum man glaubt sanktionieren zu müssen, durchaus hinnehmbar sein. Doch auch der Umgang mit gleichgelagerten Fällen erfordert – will man den „Maßstab“ nicht „politisch“, „wirtschaftlich“ oder sonstwie unterschiedlich anpassen – ein konsistentes Handeln in allen gleichgelagerten Fällen.

    Nun würde das u.U. bedeuten, „Grenzwerte“ zu setzen. Ab wie vielen Hinrichtungen sanktioniert man ? Sanktioniert man auch, obwohl die Todesstrafe zwar momentan „ausgesetzt“ wird oder es in einem bestimmten Zeitraum gerade niemanden zu Hinrichten gab ?

    Was ist mit Staaten, die Krieg führen, dabei unvermeidlich den Tod von gegnerischen Kombattanten bzw. Nichtkombattanten hinnehmen ? Was ist mit Diktaturen, die zwar die Todesstrafe abgeschafft haben, aber z.B. politische Gefangene in ihren Kerkern verrotten lassen ?

    Im Fall Saudi Arabien (nicht nur dort), schätze ich, wird kaum jemand im Land verstehen, warum sich jemand von Außen einmischt. Diese Religion zwingt jeden der in ihrem Machtbereich lebt, zur Einhaltung der „Sharia“ (was sowieso nur ein Sammelbegriff für mehrere im Zusammenhang stehende „Mechanismen“ Koran, Hadith (Überlieferung), Fiqh (islamische Normenlehre), Madhhab (Rechtsschulen) nur um wenigsten die vermutlich wichtigsten zu nennen). Dieser als Einmischung empfundene Druck, wird keinesfalls gerade die in Saudi Arabien vorherrschenden Wahhabiten (die eng mit dem saudischen Königshaus verbunden sind) in irgendeiner Weise beeinflussen. Diese sind (religiös) am ehesten mit dem was wir mit Salafisten bezeichnen, vergleichbar, aber „noch“ loyal zum saudischen Königshaus .

    Das Nachgeben Saudi Arabiens (KSA – Kingdom of Saudi Arabia) könnte auch diesen Staat rasch an den Rand eines Bürgerkriegs befördern. Schon jetzt geht konservativen Kreisen die Nähe zu den „Ungläubigen“ viel zu weit. Da KSA alleine >13% (2012) des Welterdölbedarfs liefert, würde eine längerfristiger Ausfall den Welthandel und alles was davon abhängt mit Sicherheit massiv und negativ beeinflussen. Nr. 2, Russland (da laufen ja bereits Sanktionen) hätte sofort einen „ordentlichen Hebel“. Ob „uns“ das nun gefällt oder nicht, noch hängt die Welt am fossilen Tropf und jede „ruckartige Veränderung“ wird ausschließlich negative Folgen haben. Für ausreichend „EE-Generatoren“ muss noch eine Menge Öl und andere fossile Rohstoffe „verbraten“ werden.

    Nein, ich halte von derartig unübersichtlichen Spielchen rein garnix. Um die EE nach vorne zu bringen, sind viele (enttäuschend) kleine Schritte notwendig. Ob der derzeitige energetische Status Quo auch nur annähernd (zukünftig) mit EE zu halten ist, ist mehr als fraglich. Im Prinzip wäre ein totaler Paradigmenwechsel gleich auf mehreren Ebenen notwendig. Tut mir leid, aber ich bin „von Beruf“ Pessimist und im Gegensatz zu Optimisten, versuche ich alle Aspekte zu kennen und soweit es mir überhaupt „gestattet wird“ auch zu berücksichtigen.

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